Die Entscheidung nach unten abgewälzt: eine gute Entscheidung!

Die Corona-Taskforce der Hannoversche Landeskirche hat in diesen Tagen kurz vor Weihnachten wieder schwere Entscheidungen auf dem Tisch gehabt. Während der harte Lockdown allgemein beschlossen war, hatte der Staat die Durchführung von Gottesdiensten auch während des Lockdowns nicht verboten. Das an sich ist schon bemerkenswert und ich werte es als eine Hochschätzung unseres Staates vor der Religionsfreiheit des einzelnen.

Gleichzeitig wurde damit von Seiten des Staates einem typischen Reflex aus der Bevölkerung vorgebeugt: Denn gerade, wenn die freie Religionsausübung eingeschränkt wird, gibt es (Lockdown 1 hat es uns vor Augen geführt) viel und emotionalen Protest und nicht zuletzt eine Konjunktur von Verschwörungsmythen. Insofern war es klug, diese Entscheidung den Kirchen selbst zu überlassen.

Die Entscheidung in der Hannoverschen Landeskirche fiel so aus, dass Präsenzgottesdienste im Lockdown ausdrücklich empfohlen wurden. Diese Entscheidung bedeutete, dass sich nun die Kirchengemeinden selbst der Frage nach Gottesdiensten im Lockdown stellen mussten. Auch das war klug, denn damit entging auch die Landeskirche dem Reflex in der Kirchenbevölkerung, „denen da oben“ vorauseilenden Gehorsam vorzuwerfen. „Wir hätten ja gerne, aber dürfen leider nicht, weil die uns das verboten haben“, wäre dann die bequeme Erklärung in den Gemeinden vor Ort gewesen. Es ist leicht den Oberen in der Landeskirche nun Führungsschwäche vorzuwerfen. Doch ich sehe es mittlerweile anders. Ich glaube es war eine sehr gute Entscheidung, die Basis entscheiden zu lassen.  

Diese hat nun jeweils für ihre Gemeinden entschieden, ob Gottesdienste an Heiligabend und in der weiteren Zeit des Lockdowns stattfinden oder nicht. Herausgekommen ist zumindest in meinem überblickten Umfeld eine erstaunlich einheitliche Richtung. In den meisten Gemeinden wurden die Präsenzgottesdienste an Heiligabend abgesagt. Nur in seltenen aber dafür gut begründeten Fällen wurde an solchen Gottesdiensten festgehalten.

Rückblickend hätte man sagen können: wäre doch besser gewesen gleich auf Kirchenleitungsebene alles herunterzufahren. Doch kommunikativ und emotional war es viel besser auf diesem Weg. Vor Ort wurde intensiv um diese Frage gerungen. Viele haben sich erst in dem Bewusstsein, nun wirklich Verantwortung zu tragen, dafür entschieden ihre mit viel Einsatz und Herzblut vorbereiteten und herbeigesehnten Gottesdienste abzusagen. So fühlt sich Demokratie an, wenn auch der kleine Mann und die kleine Frau vor Ort mit echter Verantwortlichkeit ausgestattet, Entscheidungen trifft. Weihnachtsgottesdienste abzusagen fühlt sich überhaupt nicht gut an, aber es fühlt sich tausendmal besser an, als Weihnachtsgottesdienste „von oben“ verboten zu bekommen.

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