Zwei Zeitungsandachten in Coronazeiten

Ich hatte mir nicht allzu viel dabei gedacht, als ich Anfang des Jahres den Zeitungsandachtenplan zugeschickt bekam. Unter uns Pastoren im Kirchenkreis geht es reihum, Beiträge für die entsprechenden Rubriken in der Rotenburger Kreiszeitung und in der Rotenburger Rundschau zu verfassen. Es war wohl ein kleines Versehen, dass ich in kürzester Zeit zweimal dran sein sollte: am 14.3. für die Rundschau und am 28.3. für die Kreiszeitung.

Dass diese beiden Andachtstermine in eine so bewegte Zeit fallen würden, war mir damals natürlich nicht bewusst. Für den 14.3. entschied ich mich, angesichts der spürbar steigenden Unruhe in dieser Woche, Jesus zu Wort kommen zu lassen mit seinem starken Wort von den Sorgen: „Macht euch keine Sorgen um den nächsten Tag! Der nächste Tag wird für sich selbst sorgen. Es genügt, dass jeder Tag seine eigene Last mit sich bringt.“ (Mt 6,34).

Jesus regt dafür den Blick in die Natur an: beobachtet die Vögel und die Blumen auf dem Feld und lernt von ihnen. Gerade jetzt scheint mir das ein weiser Rat zu sein: überall liest man nur „CORONA!!!“ und da tut es gut einfach mal in die Natur schauen, die einem ganz andere Gedanken schenkt. Sorglose Vögel, wunderschöne Blumen, Vertrauen auf Gott und Trachten nach seinem Reich. Ich glaube das bleibt auch weiterhin für diese Krise ein gutes Leitwort. Nachzulesen ist die Zeitungsandacht vom 14.3. hier: https://www.kirche-rotenburg.de/leben-glauben/geistliche-impulse/andachten#andacht-15878

Dann für letzten Samstag fiel mir das Schreiben doch schon ein bisschen schwerer. Ein Tag vor Redaktionsschluss kam vom Büro der Superintendentur (der Superintendent ist mein Dienstvorgesetzter) noch mal die Erinnerung: „Bitte vergessen Sie es nicht, es ist wichtig in dieser Zeit, dass eine Andacht kommt!“ Puh. So eine „Erinnerung“ gab es noch nie. Vergessen hatte ich die Andacht natürlich nicht – aber Druck verspürte ich jetzt umso mehr.

Ob es am Ende vielleicht sogar geholfen hat? Jedenfalls war es mir wichtig, in dieser Andacht vor allem an jene zu denken, die jetzt gerade gewaltige Opfer bringen, um die eher geringe Prozentzahl der Mitbürger aus der Risikogruppe zu schützen.

Von Mitte der Woche war mir die Zahl „95 Prozent“ im Kopf hängen geblieben. So viele Deutsche befürworteten laut Umfrage die gerade beschlossenen Maßnahmen der Regierung. Diese Einigkeit der Bevölkerung in Zeiten von Individualisierung, Ausdifferenzierung der Parteienlandschaft und vermeintlich größer werdendem Egoismus hat mich nachhaltig beeindruckt. Fast alle sind bereit gewesen, sich zum Schutz der gefährdeten Menschen drastisch zurückzunehmen. In dieser Beobachtung steckt für mich ganz viel Österliches und ich sehe Menschen, die bewusst oder unbewusst gerade in die Fußstapfen Jesu treten.

Nachzulesen ist die Andacht hier auf meinem blog. Ich freue mich über eure Gedanken dazu, gerne in den Kommentaren – über das Medium „Zeitung“ ist ein Feedback ja eher umständlich.

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